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Wie lange dürfen Eltern beim kranken Kind bleiben?

Kaum ein Elternteil weiß tatsächlich, wieviele Tage es bei einem kranken Kind zu Hause und der Arbeitsstelle fern bleiben darf. Die Rechtslage ist sehr undurchsichtig, viele Faktoren spielen eine Rolle. Mehr als zehn Paragraphen in acht Gesetzen sind zu beachten, ebenso wie Tarifverträge. Bei Beamten gelten die jeweiligen Landesregelungen.

Einen generellen Anspruch auf unbezahlten Urlaub gibt es nicht, es besteht lediglich ein vager Anspruch auf bezahlte Freistellung. Der Gesetzgeber sagt, dass Eltern für eine „verhältnismäßig nicht unerhebliche Zeit“ bezahlt fehlen dürfen (BGB § 616). Das Bundesarbeitsgericht hat hierfür den Richtwert von fünf Arbeitstagen für die Betreuung eines unter acht Jahre alten Kindes ausgegeben. In der Rechtsprechung haben sich jedoch auch längere Zeiten durchgesetzt, wenn der Arbeitgeber bereits mehrere Jahre im Betrieb ist.  Fakt ist: Die Ansprüche können je nach Einzelfall stark variieren.

Bei gesetzlich Krankenversicherten liegt der Fall klarer: Bei ihnen darf jedes Elternteil zehn Arbeitstage pro Jahr das kranke Kind pflegen. Bei mehreren Kindern sogar bis zu 25 Tage (SGB, § 45). Alleinerziehende dürfen sogar 20 Tage beim ersten Kind, bei zwei oder mehr Kindern bis zu 50 Tage daheim bleiben.  Dies gilt allerdings nur, wenn das Kind jünger als zwölf Jahre ist, ebenfalls gesetzlich versichert ist und von niemand anderem betreut werden kann. Krankenkassen gestatten übrigens, dass sich Eltern die Fehltage gegenseitig übertragen. Für Privatversicherte gilt dies allerdings nicht.

Eltern, die gesetzlich versichert sind, erhalten aber 70 Prozent ihres regulären Gehaltes, maximal 90 Prozent ihres Nettoeinkommens von der Krankenkasse – sofern das Kind jünger als zwölf Jahre alt ist. Für die Antragstellung muss ein Attest des Kinderarztes eingereicht werden – und auch das Kind muss gesetzlich krankenversichert sein.

Darüber hinaus gibt es noch Regelungen in einigen Tarifverträgen, die Arbeitnehmern – abhängig von ihrem Versicherungsschutz – weitere Fehlzeiten ermöglichen.

( 07/10 )