Arbeitsrecht von A-Z
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Stellenausschreibung, Deutsch als Muttersprache diskriminiert

Anforderung „Deutsch als Muttersprache“ diskriminiert

Vorsicht bei der Stellenausschreibung. Wer als Anforderung “Deutsch als Muttersprache” angibt, diskriminiert Bewerber wegen ihrer ethnischen Herkunft. Denn es zeigt an, dass nicht nur eine einwandfreie Beherrschung der Sprache erwartet wird, sondern impliziert auch, dass mindestens eines der Elternteile deutscher Herkunft ist. So sehen es die Richter des Landesarbeitsgerichtes Hessen, die jüngst in einem solchen Fall zu urteilen hatten. Ausgeschrieben war eine Stelle als Bürohilfe, die ein Buchprojekt unterstützen sollte. Ein russischstämmiger Bewerber hatte geklagt, denn er war aufgrund seiner ausgezeichneten Deutschkenntnisse durchaus für die Stelle geeignet. Seine Bewerbung blieb allerdings unbeachtet, eine Erklärung für die Absage blieb aus. Der Mann klagte auf Entschädigung, weil er davon ausging, dass seine russische Herkunft ausschlaggebend für die Absage gewesen sei. Während das Arbeitsgericht die Klage abwies, sprach ihm das Landesarbeitsgericht gemäß § 15 Abs. 2 AGG eine Entschädigung in Höhe von zwei Monatsgehältern zu. Die Richter gingen davon aus, dass unter Muttersprache, die Sprache zu verstehen ist, die man im Elternhaus erlernt hat. Eine Revision ist noch anhängig. (LAG Hessen, 15.6.2015, 16 Sa 1619/14)
( 03/16 )