Arbeitsrecht von A-Z
Anzahl der Einträge: 1

Schwerbehindert, Bewerbungsverfahren

Was gilt es bei Bewerbungen von Schwerbehinderten zu beachten?
Im Bewerbungsverfahren gilt es für Arbeitgeber bei der Bewerbung von schwerbehinderten Menschen einiges zu beachten. Sonst drohen Schadensersatzforderungen wegen Diskriminierung. Bereits bei Eingang einer solchen Bewerbung muss der Arbeitgeber gemäß dem Sozialgesetzbuch umgehend die Schwerbehindertenvertretung und den Betriebs- oder Personalrat einschalten. Die Schwerbehindertenvertretung darf alle Unterlagen einsehen. Unterlässt der Arbeitgeber die Unterrichtung, kann ihm dies im Fall einer Schadensersatzklage als Benachteiligung des Bewerbers ausgelegt werden. Informiert ein Arbeitgeber die Schwerbehindertenvertretung oder die betriebliche Interessenvertretung vorsätzlich oder fahrlässig nicht, falsch oder zu spät, gilt dies zudem als Ordnungswidrigkeit. Für private Arbeitgeber besteht keine Pflicht, schwerbehinderte Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Öffentliche Arbeitgeber aber wird eine Vorbildfunktion zugesprochen. Nur wenn dem Bewerber jegliche fachliche Eignung für die Stelle fehlt oder die Ausschreibung nur unter dem Vorbehalt extern war, dass sich kein interner Bewerber findet, kann auf eine Einladung verzichtet werden. Geht bereits aus der Bewerbung hervor, dass der Bewerber eine Schwerbehinderung hat, darf die Schwerbehindertenvertretung an den Vorstellungsgespräch teilnehmen. Geht diese jedoch nicht bereits aus der Bewerbung hervor, darf der Arbeitgeber auch im Vorstellungsgespräch den Bewerber nicht darauf ansprechen. Bereits die Frage nach eine vorliegenden Behinderung ist gemäß dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes als Diskriminierung anzusehen. Nur wenn für die fragliche Arbeit bestimmte geistige oder körperliche Fähigkeiten erforderlich sind, darf der Arbeitgeber fragen, ob Beeinträchtigungen vorliegen, die deren Ausübung im Wege stehen. Dementsprechend darf er ihn auch nur aus sachlichen Gründen und nicht allein aufgrund einer Behinderung ablehnen. Entscheidet sich ein Arbeitgeber gegen den schwerbehinderten Bewerber, muss er dies umgehend dem Bewerber, der Schwerbehindertenvertretung und der betrieblichen Vertretung mitteilen und die Gründe hierfür benennen – allerdings nur dann, wenn der Arbeitgeber seine Beschäftigungsquote nach § 154 SGB IX nicht erfüllt hat, die Vertretungen mit der Entscheidung nicht einverstanden sind und die Gründe mit den Gremien erörtert wurden. Kommt der Arbeitgeber seiner Unterrichtungspflicht nicht nach, kann ihm dies im Falle eines Prozesses ebenfalls als Indiz für eine Diskriminierung aufgrund der Behinderung ausgelegt werden.
( 07/19 )