Arbeitsrecht von A-Z
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Lohnfortzahlung, Selbstverletzung bei Wutanfall

Verletzt sich ein Mitarbeiter während der Arbeitszeit in Rage selbst, hat er trotzdem Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vom Arbeitgeber. Gemäß Auslegung des § 3 Entgeltfortzahlungsgesetzes hat er die Arbeitsunfähigkeit nicht verschuldet, so die Richter des Hessischen Landesarbeitsgerichtes.
Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz (EGFZ) muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter auch entlohnen, wenn er wegen einer Erkrankung seiner Arbeit nicht nachgehen kann. Nicht jedoch, wenn der Arbeitnehmer eine Mitschuld an der Arbeitsunfähigkeit trägt, er z.B. leichtsinnig Unfallverhütungsvorschriften nicht beachtet hat. In dem zu verhandelnden Fall war ein Warenauffüller in einem Baumarkt vom betrieblichen Sicherheitsbeauftragten gerügt worden, er soll einen provisorisch angebrachten Wetterschutz aus Plexiglas vom Gabelstapler entfernen. Der Mitarbeiter geriet daraufhin so in Rage, dass er zunächst mit Verpackungsmaterial um sich warf und dann mindestens dreimal mit der Faust auf ein Schild schlug. Dabei brach er sich die Hand. Der Arbeitgeber verweigerte die Entgeltfortzahlung für sechs Wochen, der Warenauffüller sei selbst Schuld an der Verletzung. Die Richter am Hessische Landesarbeitsgericht sahen das anders: Sie konnten nicht erkennen, dass der Mitarbeiter seine Verletzung bewusst herbeigeführt hat. Von grober Fahrlässigkeit sei auch nicht auszugehen, denn offenbar sei der Mann so wütend gewesen, dass er sich kurzzeitig nicht unter Kontrolle hatte. Das sei menschlich nachvollziehbar. Auf das Schild zu hauen, sei zwar leichtfertig aber nicht fahrlässig gewesen, so die Richter. Der Entgeltfortzahlungsklage gaben sie statt. Die Revision zum Bundesarbeitsgericht wurde nicht zugelassen (Hess. LAG, Az  4 Sa 617/13).
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