Arbeitsrecht von A-Z
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Kündigung unwirksam: Arbeitsunfähig mit Ankündigung

Kündigt ein Arbeitnehmer an, demnächst arbeitsunfähig krank zu sein, so muss das nicht zwangsläufig ein Kündigungsgrund sein. Nämlich dann nicht, wenn der Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt bereits objektiv erkrankt ist. Der Arbeitgeber ist in diesem Fall in der Beweislast. Vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg wurde jüngst folgender Fall verhandelt. Ein Arbeitnehmer äußerte im Juni 2011 an einem Freitagvormittag gegenüber Kollegen, dass die Arbeitsbelastung so hoch sei, dass er mindestens eine Woche frei haben müsse, um sich zu erholen. Am folgenden Montag fehlte er unentschuldigt, die Firma kündigte ihm umgehend fristlos. Die Kündigung wurde Dienstag zugestellt, an diesem Tag suchte der Arbeitnehmer einen Arzt auf, der ihm rückwirkend eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigte. Der Arbeitnehmer klagte gegen seine Kündigung. Die Beklagte wies die Richter darauf hin, dass die Krankschreibung unmittelbar auf einen abgelehnten Urlaubsantrag erfolgt sei. Da der Kläger ja auch den Freitag noch vollständig gearbeitet habe, sei klar, dass er nicht arbeitsunfähig erkrankt sei. Der Mitarbeiter hatte vor dem Arbeitsgericht und dem Landesarbeitsgericht Erfolg. Die Richter verwiesen auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes. Demnach kann eine Kündigung nur ohne Abmahnung erfolgen, wenn der Mitarbeiter bei der Ankündigung der Krankschreibung tatsächlich augenscheinlich gesund ist. Der Kläger beharrte vor Gericht darauf, dass er bereits am Freitag erkrankt gewesen sei. Nach Meinung der Richter ist das auch nicht zu widerlegen. Auch nicht, wenn er noch den Freitag durchgearbeitet hat. Denn nicht jeder, der seine Arbeitsleistung erbringt, sei auch arbeitsfähig. Ebenso kann sich aufgrund einer bestimmten Krankheit abzeichnen, dass man in Kürze nicht mehr arbeitsfähig ist. In jedem Fall trifft den Arbeitgeber die Darlegungs- und Beweislast, z.B. durch die Aussage des behandelnden Arztes oder durch das Einholen eines Sachverständigengutachtens. (LAG Berlin-Brandenburg, 10 Sa 2427/12)
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