Arbeitsrecht von A-Z
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Kündigung, Sitzstreik

Ein Sitzstreik im Büro des Vorgesetzten ist keine gute Idee – schon gar nicht, wenn man damit eine Gehaltserhöhung durchsetzen will. Stattdessen kann dann nämlich die Kündigung folgen – zumindest, wenn der Streikende eigentlich als Führungskraft eine Vorbildfunktion haben sollte, finden die Richter am Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein. Die Klägerin leitete eine Abteilung mit 300 Mitarbeitern und war in der höchsten tariflichen Endstufe eingruppiert. Sie wünschte sich jedoch eine Einstufung als außertarifliche Angestellte. Ihre Forderung wurde jedoch in mehreren Gesprächen wiederholt abgewiesen. In einem solchen Gespräch erklärte die Abteilungsleiterin, das Büro ihres Vorgesetzten erst wieder zu verlassen, wenn man ihrer Forderung nachgekommen sei. Der Hinweis des Vorgesetzten auf das Hausrecht sowie die Setzung einer Frist zum Verlassen des Büros ließ die Angestellte kalt. Auch die Drohung mit Polizei und Kündigung bliebt erfolglos. Drei Stunden später verließ die Frau schließlich in Polizeibegleitung das Büro. An einen größeren E-Mail-Verteiler sandte die Frau am folgenden Tag Emails mit der Aussage: „Wer solche Vorgesetzte hat, benötigt keine Feinde mehr.“ Die Reaktion des Unternehmens: Eine fristlose Kündigung und hilfsweise mit ordentlicher Kündigungsfrist. Die Klage der Frau hiergegen hatte lediglich bei der fristlosen Kündigung Erfolg. Die fristgerechte Kündigung sahen die Richter jedoch als durchaus angemessene Reaktion an. In dem Verhalten der Frau sahen sie eine besonders schwere Pflichtverletzung. Da sie aber 22 Jahre beanstandungsfrei in dem Betrieb gewesen sei, ziehe nur die fristgerechte verhaltensbedingte Kündigung. (LAG Schleswig-Holstein, 3 Sa 354/14)
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