Arbeitsrecht von A-Z
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Entschädigung und Lohnnachzahlung bei geringerem Gehalt

Erhalten Frauen allein wegen ihres Geschlechts eine schlechtere Bezahlung als ihre männlichen Kollegen haben sie Anspruch auf Lohnnachzahlung und Entschädigung. Entsprechend urteilte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz jüngst. Die beklagte Firma stellt Schuhe her. Auf einer Mitarbeiterversammlung im September 2012 war bekannt geworden, dass die weiblichen Produktionsmitarbeiterinnen weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen. Auch die Anwesenheitsprämie, das Weihnachtsgeld und das Urlaubsgeld wurden auf dem geringeren Grundgehalt berechnet. Im Dezember 2012 unterzeichnete die Arbeitnehmerin eine Vereinbarung, mit der sie auf verjährte Ansprüche verzichtete. Kurz darauf machte die Klägerin die Nachzahlung des Differenzlohnes für den Zeitraum Januar 2009 bis Dezember 2012 in Höhe von 9229,90 Euro zuzügliche einer Entschädigung in Höhe von 7452,32 Euro geltend. Das Gericht gab ihren Forderungen in vollem Umfang statt. Die Diskriminierung, das Benachteiligungsverbot sowie der allgemeine arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz ziehen unmittelbar einen Anspruch auf Zahlung des Differenzausgleichs nach sich. Diese Ansprüche seien auch nicht verfallen. Zwar müssen gemäß § 15 Abs. 4 AGG Schadensersatzansprüche innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend gemacht werden. Ein Nachvergütungsanspruch ist aber kein Schadensersatz, sondern ein Erfüllungsanspruch, der nicht der kurzen Verfallsfrist von drei Monaten nach § 15 AGG unterliegt. Zumal die Frist ohnehin erst mit Kenntnis von der Benachteiligung zu laufen beginnt und in diesem Fall nicht greifen würde. Eine Entschädigung in Höhe von 6000 Euro sprach das Gericht der Frau ebenfalls zu – als Sanktion für Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. (LAG Rheinland-Pfalz, 5 Sa 436/13)
( 02/16 )