Arbeitsrecht von A-Z
Anzahl der Einträge: 1

Diebstahlsverdacht

Kündigung bei Verdacht auf Diebstahl – egal wie wertvoll die Beute ist
Allein bei einem begründeten Verdacht auf einen mutmaßlichen Diebstahl darf ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer kündigen – auch wenn der Wert der vermeintlichen Diebesbeute nur gering ist. Einem Arbeitgeber sei es nicht zuzumuten, einen Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sein, dass er von ihm bestohlen werde, finden die Richter des Landesarbeitsgerichtes Rheinland-Pfalz. (LAG Rheinland-Pfalz, Az. 9Sa 633/04)
Allerdings kann ein Arbeitnehmer manchmal auch mit der Milde der Richter rechnen. So geschehen in einem aktuellen Prozess am Frankfurter Arbeitsgericht. Die Richter gaben der Klage einer Fleischverkäuferin gegen eine Supermarktkette statt. Die Frau war in der Mittagspause dabei erwischt worden, wie sie rund 120 Gramm Weintrauben aus dem Warenangebot aß, ohne diese zuvor bezahlt zu haben. Die Geschäftsleitung sprach die Kündigung aus. Zu Unrecht wie die Richter fanden. Zwar räumten sie ein, dass die Frau einen schweren Vertragsverstoß begangen habe, allerdings habe sie sich in den 17 Jahren zuvor einwandfrei verhalten. Im Hinblick auf ihr Alter von 56 Jahre und die Tatsache, dass sie als Witwe für zwei Kinder unterhaltspflichtig war, wogen die Richter zur ihren Gunsten ab und erklärten die Kündigung für gegenstandlos. (ArbG Frankfurt, AZ 18 Ca 1687/05) 09/05