Arbeitsrecht von A-Z
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Bewerbung, Thema Übergewicht im Bewerbungsgespräch

Spricht ein Arbeitgeber einen Bewerber auf sein Übergewicht an, so fällt das nicht zwangsläufig unter Diskriminierung – solange keine krankhafte, behandlungsbedürftige Adipositas vorliegt. Laut den Richtern am Arbeitsgericht Darmstadt ist es durchaus legitim, wenn ein Arbeitgeber bei einer Stellenbesetzung auch Merkmale in Betracht zieht, die für die Stelle zwar nicht zwingend geboten sind, aber im billigenswerten Interesse des Arbeitgebers liegen. Die Beklagte ist ein Verein, der als Patientenorganisation Borreliose-Selbsthilfegruppen angeschlossen sind. Der Verein suchte einen neuen Geschäftsführer. Die Klägerin wurde zu zwei Vorstellungsgesprächen eingeladen. Am Vorabend des zweiten Gesprächen erhielt die Klägerin eine Mail der kommissarischen Geschäftsführerin, die sich abfällig über das Übergewicht der Klägerin äußerte. Und anderem heißt es: „Im jetzigen Zustand wären sie natürlich kein vorzeigbares Beispiel und würden unsere Empfehlungen für Ernährung und Sport konterkarieren.“ In einem Telefongespräch habe man der Klägerin zudem mitgeteilt, dass sie, sofern sie die Gründe für das Übergewicht nicht nenne, nicht zum Gespräch erscheinen brauche. Die Klägerin verlangte eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Euro wegen Diskriminierung. Sie sei auch nicht stark übergewichtig, hieß es in der Klage, sondern trage Kleidergröße 42. Vor Gericht hatte die Klägerin jedoch keinen Erfolg. Am Bundesarbeitsgericht sprach man ihr den Anspruch auf Entschädigung ab, da sie nicht wegen eines in § 1 AGG genannten Benachteiligungsgrundes diskriminiert worden sei. Es liege weder eine Behinderung vor, noch sei die Beklagte davon ausgegangen, dass die Frau behindert sei. Auch eine allgemeine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes sahen die Richter nicht gegeben. Bei der Besetzung der Stellen ist dem Arbeitgeber ein breiter Beurteilungs- und Entscheidungsspielraum auf Basis des Grundgesetzes gegeben. (ArbG Darmstadt 6 Ca 22/13)
( 06/15 )