Arbeitsrecht von A-Z
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Beleidigung durch den Ehemann rechtfertigt keine Kündigung

Beleidigt und bedroht der Ehepartner eines Arbeitnehmers dessen Vorgesetzten, so ist das ohne vorherige Abmahnung kein Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung. Es sei denn, der Mitarbeiter hätte den Vorfall nachweislich verhindern können. So urteilte das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg jüngst. Eine Altenpflegerin hatte gemäß ihrem Dienstplan zwischen zwei freien Wochenenden ihren Urlaub eingereicht und eine Reise gebucht. Als der Dienstplan ohne vorherige Absprache geändert wurde, rief die Altenpflegerin ihre Pflegedienstleiterin an und beschwerte sich. Während des Gesprächs reichte sie den Hörer an ihren Mann, der der Frau drohte, ihr „eins auf die Fresse zu geben“. Die Firma kündigte das Arbeitsverhältnis mit ordentlicher Kündigungsfrist. Die Klage der Pflegerin hatte vor dem Arbeitsgericht und dem LAG Erfolg. Die Richter sahen die Kündigung als unwirksam nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KschG, denn einer verhaltensbedingten Kündigung hätte eine schuldhafte Pflichtverletzung und eine Abmahnung vorausgehen müssen. Beides sahen die Richter in diesem Fall als nicht gegeben an. Auch sahen die Richter in der eigenmächtigen Änderung des Dienstplans einen Eingriff in die Freizeitgestaltung der Klägerin sowie eine Verletzung des Mitbestimmungsrechtes des Betriebsrates. (LAG Berlin-Brandenburg, 10 Sa 2339/12)
( 01/14 )