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Arbeit auf Abruf

Arbeit auf Abruf: Vorsicht bei der Wochenarbeitszeit
Arbeit auf Abruf ist in Teilzeitbeschäftigungen und befristeten Beschäftigungen nicht unüblich. Dabei wird keine feste Wochenarbeitszeit vereinbart, sondern der Arbeitnehmer wird bei Bedarf abgerufen. Vor allem in Mini-Jobs ist dies sehr verbreitet.
Doch Vorsicht, es gilt ein paar Regeln zu beachten, sonst wird aus dem 450-Euro-Job eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Arbeitsrechtliche Schutzregelung in § 12 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) dient dem Schutz des Arbeitnehmers, wenn es keine Regelung im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung gibt. Es gibt vor, dass die Abrufvereinbarung eine Dauer der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit enthalten muss. Tut sie das nicht, so gilt automatisch eine gesetzlich vorgeschriebene fiktive Wochenarbeitszeit. Bisher waren das 10 Wochenstunden, seit dem 1. Januar 2019 sind es 20.
Das bedeutet auch, dass Entgeltansprüche aus dieser fiktiven Arbeitszeit von 20 Wochenstunden bestehen. Man nennt dies auch Phantomlohn – was irreführend ist, denn der Arbeitnehmer kann den Lohn durchaus arbeitsrechtlich geltend machen. Er wird auch hinzugezogen zur Berechnung von Beitragsansprüchen in der Sozialversicherung – und zwar unabhängig davon, ob die Arbeit auch tatsächlich geleistet oder vergütet wurde. Bereits beim Mindestlohn ergibt sich bei 20 Wochenstunden ein Entgelt von deutlich über 450 Euro monatlich. Der Arbeitnehmer würde also vom Mini-Jobber zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer.
Daher gilt: Wer Arbeitnehmer auf Abruf beschäftigen möchte, sollte die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit mit dem Arbeitgeber schriftlich vereinbaren. Dazu kann eine wöchentliche Mindestarbeitszeit, die nicht um mehr als 25 Prozent überschritten werden darf, oder eine Höchstarbeitszeit, die nicht um mehr als 20 Prozent unterschritten werden darf, festgelegt werden. Diese Regelung findet übrigens keine Anwendung, wenn kein dauerhaftes Arbeitsverhältnis besteht, sondern eine Rahmenvereinbarung zwischen Arbeitgeber und – nehmer vorgibt, dass erst mit Angebot und Annahme ein Arbeitsverhältnis eingegangen wird.
( 09/19 )

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