Arbeitsrecht von A-Z
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Abkehrwille des Arbeitnehmers

Abkehrwille rechtfertigt keine Kündigung durch Arbeitgeber
Nur weil ein Arbeitnehmer selbst kündigt und dabei eine längere Kündigungsfrist angibt, kann der Arbeitgeber ihm deshalb nicht mit der kürzest möglichen Frist kündigen. Der Abkehrwille alleine rechtfertigt dies nicht. Vor dem Arbeitsgericht Siegburg hatte ein Mann geklagt, der seit 2016 als Teamleiter für ein Unternehmen tätig war. Anfang 2019 teilte er seinem Vorgesetzten mit, dass er kündigen wolle und sich nach einer Kur im März und April eine neue Beschäftigung suchen wolle. Am 22.1.2019 kündigte er schriftlich zum 15.4.2019. Die Firma kündigte dem Mann mit Schreiben vom 31.1.2019 zum 28.2.2019 und begründete die Kündigung mit dem Abkehrwillen des Arbeitnehmers. Der Teamleiter erhob Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht Siegburg – mit Erfolg. Nach Auffassung der Richter endet das Arbeitsverhältnis zum 15.4.2019. Der Abkehrwille eines Arbeitnehmers könne nur in Ausnahmefällen eine Kündigung rechtfertigen. Und zwar denn, wenn sich zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung der Stelle abzeichnen, sich dem Arbeitgeber aber gerade eine geeignete Ersatzkraft anbietet, die nicht länger auf den Posten warten kann oder will. In dem vorliegenden Fall aber konnte eine bereits im Unternehmen tätige Mitarbeiterin zu dem Kündigungszeitpunkt den Posten übernehmen. (ArbG Siegburg, 17.7.2019, 3 Ca 500/19)
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