Kein Anspruch auf ungetackertes Zeugnis

Ein Arbeitszeugnis muss nicht falten- oder lochfrei sein –  sprich es darf getackert und sorgfältig gefaltet werden, um mit einem üblichen Briefumschlag verschickt werden zu können.  Das Original muss allerdings kopierfähig bleiben, d.h. bei einer Kopie dürfen die Knicke sich nicht abzeichnen, so das LAG Rheinland-Pfalz.

Geklagt hatte ein Vertriebsdisponent, dem sein Arbeitgeber, ein Zeitarbeitsunternehmen, zum 30.11.2015 gekündigt hatte. Der Kündigungsschutz-Prozess endete mit einem Vergleich – gegen Zahlung einer Abfindung und der Erteilung eines Endzeugnisses mit guter Bewertung für Leistung und Verhalten. Gegen das ausgestellte Zeugnis klagte der Mann, er bemängelte Inhalt und Form. Das Arbeitsgericht verurteilte das Unternehmen zur Ausstellung eines vorformulierten Zeugnisses. Gegen das Urteil legte der Kläger jedoch wieder Berufung ein. Er begehrte ein ungetackertes und ungeknicktes Zeugnis, da es sonst für eine Bewerbung ungeeignet sei, da es zum Ausdruck bringe, dass der Arbeitnehmer tatsächlich unzufrieden mit ihm gewesen sei. Das LAG wies die Begründung jedoch als teilweise unbegründet und unzulässig zurück. Der Beklagte habe den Zeugnisanspruch des Arbeitnehmers erfüllt, das Zeugnis erfüllt nach Form und Inhalt die gesetzlichen Anforderungen des § 109 GewO.

Es grenze nach Auffassung der Richter sogar an Rechtsmissbrauch über zwei Instanzen ein ungeknicktes Zeugnis einzuklagen. Zumal die Firma dem Mann angeboten hatte, sich das Original persönlich abzuholen. Eine Klammer stelle auch kein Geheimzeichen unter Arbeitgebern dar und sage nichts über die Qualitäten eines Arbeitnehmers aus. (LAG Rheinland-Pfalz, 5 Sa 314/17)