Es ist Usus, nach Ausspruch der Kündigung den Arbeitnehmer bis zum Ende der Kündigungsfrist freizustellen. Doch ist dies gegen den Willen des Arbeitnehmers zulässig? Der Chefredakteur eines Online-Portals beantragte nach betriebsbedingter Kündigung und sofortiger Freistellung vor Gericht per Einstweiliger Verfügung die Weiterbeschäftigung bis zum Ende der Kündigungsfrist. Außerdem erhob er Kündigungsschutzklage. Den Weiterbeschäftigungsantrag wies das Arbeitsgericht Stuttgart zurück, der Chefredakteur legte Berufung ein. Hier hatte er Erfolg. Nach Auffassung der Richter des Landesarbeitsgerichtes Baden-Württemberg ist eine einseitige Suspendierung grundsätzlich unzulässig. Daher habe der Chefredakteur einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung bis zum Ablauf der Kündigungsfrist. In diesem Fall stünden dem Anspruch keine betrieblichen Belange entgegen. Das sei nur der Fall, wenn schutzwerte Interessen des Arbeitsgebers überwiegen, z.B. wenn das Vertrauen zerstört ist, zu wenige Arbeitsaufträge da sind oder der gekündigte Arbeitnehmer zur Konkurrenz wechselt und keine Berufsgeheimnisse mitnehmen soll. Der Anspruch auf Weiterbeschäftigung lasse sich auch per einstweiliger Verfügung durchsetzen, so das LAG. Hierfür muss belegt werden, dass eine Entscheidung im Eilverfahren wesentliche Nachteile abwenden kann. Im Fall des Chefredakteurs sahen die Richter dies als gegeben an. Durch die Freistellung könnte unter den Kollegen der Eindruck entstehen, er habe sich etwas zu Schulden kommen lassen. Außerdem könne der Kläger laufende Planungen nicht mehr beeinflussen und sein Fachwissen nicht auf dem Laufenden halten. (LAG Baden-Württemberg, 27.5.2021, AZ. 3 SaGa1/21)